An der alten Salzstraße , die nach Sorau führt , ist ein Steinhaufen , da hat der Kampf stattgefunden , und da soll das steinerne Denkmal des Heiligen gestanden haben, hoch zu Rosse mit der Lanze in der Hand und dem Drachen zu seinen Füßen.
Dieser Drache hat nämlich täglich dreißig Menschen aufgefressen und die Feldmarken weit und breit verwüstet. Er konnte auch menschliche Gestalt annehmen und hat in solcher viele Menschen ins Unglück gestürzt , sie ihres Geldes beraubt und dasselbe im tiefem Walde hinten bei der Forstner Heide vergraben.
Gewöhnlich aber ist er durch die Luft gezogen und hat dabei seine Reise über Zilmsdorf nehmen müssen. Dort wohnte aber früher ein gewisser Wochner , ein berühmter Teufelsbanner ; der hat die Kunst gehabt , den Drachen oft so lange hinzuhalten ,bis der Hahnschrei ihn im hiesigen Gau überrascht hat . Da hat er allemal müssen sein Gold fallen lassen.
Es kam auch vor , dass der Lindwurm seine Kreise über das Sorauer Land gezogen hat, und da ließ er sich zur Erfrischung am Brunnen auf dem Sorauer Markt nieder.
Anmerkung
Zu dem Georgsbilde bei Zilmsdorf wurde weit und breit her gewallfahret . 1615 hat es der Landvogt Graf Promnitz wieder aufrichtenlassen und zwar auf Begehren des Kaisers Matthias ( bei der Huldigung in Sorau 1611). Um 1710 stand der Stein noch und zeigte gegen Mitternacht in ausgehauener Arbeit den Ritter St. Georg auf einem Pferde und unter ihm den Lindwurm. Der Stein war 7 Ellen hoch und 3 Ellen breit . Die Inschrift aus dem 17. Jahrhundert auf der Abendseite lautete:
Effigiem Christi dum cernis semper honora
Non tamen effigiem sed quem designat honora.
Aspice, mortalis, pro te datur hostia talis.
[Ehre stets das Christusbild , wenn du es siehst.
Ehre nicht nur das Konterfei , sondern das , was es verbirgt.
Beachte , Sterblicher , dass für dich das große Opfer gebracht wird.]
Darüber war an einem steinernen Kreuze ein zinnernes übergoldetes Christusbild.
(Magnus , Geschichte von Sorau , S.115 )
Hier wird also in protestantischer Umdeutung der Ritter in den Heiland selbst verwandelt , der „ der Schlange den Kopf zertritt“ .
Über die Salzstraße vergl. die Ortssagen von Sorau . Über St. Georg als christianisierten Swantevit , den Drachen als Maske Tschernebogs und die mythische Bedeutung der Legende siehe meine Anmerkung zu den Schlangensagen im Neuen Lausitzischen Magazin 1860.