Ich hab mich schon im Vorfeld schlau gemacht: 1706 hat der sächsische Kurfürst und König von Polen, August der II., wahlweise auch der Starke genannt, festgelegt, zwei Postrouten zwischen Dresden und Warschau zu schaffen, eine davon über Hoyerswerda, Muskau und ¯ary. Somit lag die Stadt an einer Hauptverkehrsader, erhielt eine Poststation und 1739 ihre erste Postsäule. Die Notwendigkeit der Schaffung von Möglichkeiten zum Pferdewechsel sorgte für Belebung der Gewerbetätigkeit. Die Sächsische Post war also praktisch Konjunkturmotor für ¯ary oder Sorau, wie die Stadt damals hieß. Daran alle Einwohner in der Grenzregion zu erinnern, will die Stadt ¯ary diesen Tag nutzen.
Es ist eindrucksvoll gelungen. Wie überhaupt auffällt, dass mit dem Wegfall der ideologischen Schranken vor 20 Jahren, das Interesse für die deutsche Geschichte in den jetzt polnischen Regionen enorm zugenommen hat. Mit viel Liebe und Ideenreichtum wird die deutsche Vergangenheit anschaulich und erlebbar gemacht. So auch am Sonntag in ¯ary.
Und ich kann einen gewissen Stolz nicht leugnen, dass Cottbuser einen tatkräftigen Beitrag dazu geleistet haben. Bereits am Bahnhof "stolpere" ich über den Cottbuser Postkutscher samt Kutsche. Später erfahre ich, dass das Transportunternehmen Poredda dankenswerterweise diese Aufgabe übernommen hat. Über Stunden war die Kutsche ausgebucht und das Pflaster von ¯ary ausgiebig "vermessen".
Der Kulturexport aus Cottbus war nicht minder erfolgreich. Der mit Verstärkung aus Lauchhammer angereiste Spielmannszug Komptendorf heizte die Festtagsstimmung schon vor Beginn der offiziellen Feierlichkeiten ordentlich an. Aber nachdem Jana Weidner, die Tambourmajorin, die Festgemeinde auch noch in Polnisch begrüßte, den Spielmannszug vorstellte und zum Musikfest nach Komptendorf einlud, waren die Sympathien der Besucher endgültig auf Seiten der Komptendorfer (des sei in Richtung all derer gesagt, denen es – noch – an der letzten Konsequenz zu dem Schritt fehlt, Polnisch zu lernen). Ich bekomme zwar immer noch eine Gänsehaut, wenn ich ur-preußische Marschrhythmen, dargeboten von Deutschen, in Polen höre, aber wahrscheinlich bin ich darin von der Zeit schon überholt worden. Auch der Yorck’sche Marsch kam ohne Abstriche gut an.
Die Linedancer von "Search and Find" hatten zunächst mit den Tücken eines Computers zu kämpfen, was ihnen selbst sichtlich Verdruss bereitete, die Sympathien des Publikums aber umso mehr zutrug. Es handelte sich schließlich um polnische Technik. Doch am Ende überzeugten sie vor allem mit Leistung, und das bei brütender Hitze, wo ein Entledigen von Kleidungsstücken näher gelegen hätte als das Überwerfen von Mänteln durch die männlichen Tänzer bei des Autors Lieblingsnummer, einem Klasse Steve Earl Titel.
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